Was bedeutet Bluthochdruck?
Von Bluthochdruck - oder mit dem Fachausdruck “arterielle Hypertonie/Hypertonus” - spricht man ab Blutdruckwerten von 140/90 mmHg. Er ist zum einen der zweithäufigste Grund für die Entwicklung einer chronischen Nierenkrankheit (CKD). Auf der anderen Seite kann durch eine eingeschränkte Nierenfunktion auch ein Bluthochdruck entstehen. Daher ist es für Menschen mit einer CKD und für Menschen an der Dialyse besonders wichtig, den Blutdruck im Auge zu behalten.
Im Gegenzug halten gesunde Blutdruckwerte Ihr Herz-Kreislauf-System fit und gesund. Wie Sie sehen, ist es wichtig, dass Sie versuchen, Ihren Blutdruck positiv zu beeinflussen. Dabei spielt unter anderem Ihre Ernährung eine wichtige Rolle. Wie Sie durch Ihre Ernährung Ihren Blutdruck positiv beeinflussen können, erfahren Sie jetzt.
Salzarme Ernährung
Ihr Körper kann Ihren Blutdruck durch verschiedene Mechanismen regulieren. Unter anderem spielt dabei das Element Natrium eine zentrale Rolle, das auch in Kochsalz (NaCl) enthalten ist. Natrium hat die Eigenschaft, Wasser zu binden bzw. mit sich zu führen. Unter anderem dadurch kann der Wasserhaushalt in Ihrem Körper reguliert werden. Da Ihr Blut zu einem großen Anteil aus Wasser besteht, hat Ihr Wasserhaushalt auch einen direkten Einfluss auf Ihren Blutdruck.
Wenn der Druck in Ihren Gefäßen zu hoch wird, kann die Niere dafür sorgen, dass mehr Natrium und damit auch mehr Wasser über Ihren Urin ausgeschieden wird. Ist Ihr Blutdruck hingegen zu niedrig, kann weniger Natrium ausgeschieden werden. Dadurch erhöht sich auch die Menge an Wasser in Ihrem Gefäßsystem und Ihr Blutdruck steigt.
Wie Sie sich wahrscheinlich vorstellen können, kann ein zu hoher Salzkonsum Einfluss auf Ihren Blutdruck haben - vor allem wenn Sie eine genetische Veranlagung zu Bluthochdruck haben. Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), maximal fünf Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen. Gehen Sie zur Dialyse, ist es besonders wichtig, diesen Richtwert einzuhalten, da Ihre Nieren Ihren Natrium- und Wasserhaushalt nicht mehr selbstständig regulieren können.
Gleichzeitig sollte Ihre tägliche Natriumzufuhr unter 2,3 Gramm pro Tag liegen. Diesen Wert können Sie auch einfach über ein Ernährungstagebuch dokumentieren. Konkret lässt sich eine salzarme Ernährung umsetzen, indem Sie versuchen, so viel wie möglich selbst zu kochen. Denn in vielen Fertigprodukten steckt viel Salz, obwohl Sie es gar nicht schmecken. Wenn Sie selbst kochen, können Sie Salz zum Beispiel durch Kräuter und Gewürze ersetzen. So erhält Ihr Essen trotzdem den gewünschten Geschmack. Lesen Sie dazu auch den Artikel Praktische Tipps für eine salzarme Ernährung.
Oder holen Sie sich Tipps zum Gesund kochen mit Gewürzen.
Die Trinkmenge beachten
Sind Sie auf die Dialyse angewiesen oder nimmt Ihre Nierenfunktion deutlich ab, kann es für Sie wichtig sein - neben Ihrem Salzkonsum - auch auf Ihre Trinkmenge zu achten. Wie Sie bereits wissen, ist eine zentrale Aufgabe Ihrer Nieren, Ihren Wasserhaushalt und damit auch Ihren Blutdruck im Gleichgewicht zu halten. Wenn Ihre Nieren das nicht mehr allein schaffen, unterstützt sie die Dialyse dabei. Doch eine gut funktionierende Niere arbeitet effizienter als die Dialyse. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sie unterstützen, indem Sie nicht zu viel trinken. Doch was bedeutet das genau?
Aktuelle nephrologische Richtlinien empfehlen, die tägliche Trinkmenge möglichst an die ausgeschiedene Urinmenge anzupassen. Konkret bedeutet das: Sie dürfen so viel trinken, wie Sie Urin produzieren, plus maximal 500-800 ml. Hier ein Rechenbeispiel: Scheiden Sie 600 ml Urin pro Tag aus, bedeutet das, dass Sie maximal 600 ml + 500 ml = 1100 ml pro Tag trinken dürfen. Da die Trinkmenge sehr individuell ist, sollten Sie noch einmal genauer mit Ihrer behandelnden nephrologischen Praxis darüber sprechen.
Das Gute ist: Wenn Sie den Salzgehalt in Ihrer Nahrung reduzieren, sind Sie in der Regel auch weniger durstig. Damit erreichen Sie zwei Ziele auf einmal.
Ist Ihre chronische Nierenkrankheit noch im Anfangsstadium, gelten für Sie in der Regel dieselben Vorgaben wie für nierengesunde Menschen. Sie sollten also im Normalfall mindestens zwei Liter am Tag trinken. Wie immer hat aber auch hier Ihr Ärzteteam das letzte Wort. Sprechen Sie bei Ihrem nächsten Kontrolltermin über Ihre Trinkmengenempfehlung.
Phosphatarme Ernährung
Phosphat ist ebenfalls ein Element, dessen Ausscheidung über die Niere geregelt wird. Mit abnehmender Nierenfunktion geht diese Fähigkeit zunehmend verloren. Doch wenn zu viel Phosphat in Ihrem Blut zurückbleibt, können sich unter anderem Calcium-Phosphatkristalle bilden, die sich in den Gefäßwänden ablagern können. Zu viel “unnötiges” Material in den Gefäßwänden kann dazu führen, dass der Durchmesser der Gefäße in diesen Bereichen deutlich abnimmt und der Druck (Blutdruck) zunimmt. Diese entstehenden Engstellen (Stenosen) können den Blutfluss durch Ihre Gefäße und damit die Versorgung Ihres Körpers mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen zusätzlich einschränken. Als Folge erhöht sich ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.
Außerdem hat Phosphat einen entscheidenden Einfluss auf Ihren Knochenstoffwechsel. Zu hohe Phosphatwerte können die Entwicklung von Osteoporose (Knochenschwund) begünstigen. Bei dieser Erkrankung wird die gesunde Knochenstruktur zunehmend zerstört, wodurch das Risiko für Knochenbrüche stark ansteigt.
Wie Sie sehen, ist es wichtig, dass Sie die tägliche Menge an Phosphat, die Sie zu sich nehmen, im Auge behalten. Dabei können Sie sich grob an der maximalen Menge von 1200 mg Phosphat pro Tag orientieren. Doch auch dieser Richtwert ist sehr individuell, weshalb Sie noch einmal genau mit Ihrer behandelnden ärztlichen Praxis darüber sprechen sollten.
Doch wie können Sie Phosphat einsparen?
Phosphatarme Lebensmittel
Versuchen Sie generell, Lebensmittel zu verwenden, die möglichst wenig Phosphat enthalten. Setzen Sie bei Käse zum Beispiel auf phosphatärmere Produkte wie Frischkäse, Camembert oder Mozzarella. Statt Milch können Sie zum Beispiel ein Sahne-Wasser-Gemisch verwenden. Mischen Sie dazu 1/3 Sahne mit 2/3 Wasser und verwenden Sie es zum Kochen und Backen.
Phosphathaltige Zusatzstoffe
Auf Lebensmittel mit Phosphatzusätzen sollten Sie möglichst ganz verzichten. Dazu zählen zum Beispiel Cola und Wurst. Bier (auch alkoholfreies Bier!) enthält ebenfalls viel Phosphat und sollte daher so gut es geht durch andere Getränke ersetzt werden. Lebensmittel mit Phosphatzusätzen erkennen Sie unter anderem an folgenden E-Nummern: E 322, E 338-341, E 343, E 450-452.
Behalten Sie Ihr Gewicht im Auge
Übergewicht und Bluthochdruck können zum Problem für Ihr Herz-Kreislauf-System werden. Gleichzeitig hat ein gesundes Gewicht positive Auswirkungen auf Ihren Blutdruck. Um Ihr Idealgewicht zu halten oder zu erreichen, sind eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung besonders wichtig. Eine besonders gesunde und empfehlenswerte Ernährungsform - gerade im Zusammenhang mit einer chronischen Nierenkrankheit und Bluthochdruck - ist die sogenannte mediterrane Diät. Zentraler Bestandteil sind Gemüse, Obst, Fisch statt Fleisch und Pflanzenfette wie Olivenöl statt tierischer Fette. Dadurch, dass viel selbst gekocht wird, geraten Sie nicht an versteckte Zucker in Fertigprodukten und haben gleichzeitig die Menge an Salz und Phosphat selbst in der Hand. Achten müssen Sie jedoch - besonders, wenn Sie zur Dialyse gehen - auf Ihre Kaliumwerte. Besonders über Obst und Gemüse, die zentraler Bestandteil der mediterranen Diät sind, nehmen Sie recht viel Kalium auf. Da der Kaliumwert in Ihrem Blut ebenfalls über die Niere(n) reguliert wird, kann es bei abnehmender Nierenfunktion oder in den fortgeschrittenen Stadien CKD 4 und 5 zu einem Anstieg der Kaliumwerte kommen. Das kann unbehandelt gesundheitsschädliche Folgen haben, wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen. Daher gilt: Egal ob Sie eine CKD haben oder zur Dialyse gehen - Ihre Kaliumwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Unter ausreichend Bewegung versteht man Sport, der Sie leicht ins Schwitzen bringt - und das mindestens fünfmal pro Woche für 30 Minuten. Wenn Sie sich in einer Gruppe leichter motivieren können, sprechen Sie Ihren Freundeskreis an oder schauen Sie, ob es einen Sportverein in Ihrer Nähe gibt.
Lesen Sie dazu auch den Artikel über mediterrane Diät.
Weitere Tipps
Generell wirkt sich ein gesunder Lebensstil nicht nur positiv auf Ihren Blutdruck aus. Sie können dadurch Ihre gesamte Gesundheit positiv beeinflussen und Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen. Neben einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung zählen dazu auch der Verzicht auf Nikotin und weitgehend auf Alkohol. Denn sowohl Rauchen als auch Alkohol zählen zu den Risikofaktoren für die Entstehung von Gefäßwandverkalkungen (Arteriosklerose), was wiederum zu erhöhten Blutdruckwerten führen kann.
Auch ein gesunder Schlaf ist wichtig für die Gesundheit. Denn während des Schlafes regenerieren sich Ihr Körper und Ihr Geist und Sie entspannen sich. Nicht nur Veränderungen an Ihren Gefäßwänden können zu erhöhtem Blutdruck führen, sondern auch Stress kann Ihren Blutdruck in die Höhe treiben. Diesem können Sie mit ausreichend Schlaf entgegenwirken. Als Faustregel gilt, dass ein Erwachsener im Schnitt sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht braucht.
In manchen Fällen reichen Änderungen des Lebensstils nicht aus, um Ihren Blutdruck in den Griff zu bekommen. Auch dann gibt es weitere Möglichkeiten: Die passenden Therapieoptionen besprechen Sie am besten direkt mit Ihrer behandelnden ärztlichen Praxis.
Quelle: Carealytix Digital Health GmbH – Mizu App (www.mizu-app.com)