Phobien sind nicht gesund

Schlangen, Spinnen, Tausendfüßler: Nicht jeder kann diese Tierarten leiden. Längst nicht jeder, der sie nicht mag, hat zum Beispiel eine Arachnophobie. Aber wer sich nicht mehr in seinen Keller traut, weil dort Spinnen hausen, der sollte sich Hilfe suchen, genau wie die bedauernswerten Menschen, die in engen (Klaustrophobie) oder weiten Räumen (Agoraphobie) Herzrasen bekommen.

Etwas anders verhält es sich mit übertriebenen Ängsten und Abneigungen, die sich auf andere Menschen beziehen, in ihrer klassischen Form vor allem auf Fremde (Xenophobie). Auch diese Phobien können die Lebensqualität der Betroffenen dramatisch beeinträchtigen.

In der Praxis aber beschneiden sie vor allem die Lebensqualität der Menschen, denen sie gelten: Homosexuellen (Homophobie), Muslimen (Islamophobie), Juden (Antisemitismus). Natürlich sind das politische Begriffe, und die in sie eingebaute Kritik bekämpft oder begleitet politische Forderungen, mal zu Recht, mal zu Unrecht. Woran erkennt man den Unterschied?
Eine Spinne ist eine Spinne, da kann man nichts machen. Aber ein Schwuler, ein Muslim, ein Jude, ein Katholik, die sind außerdem ein Mann, ein Kollege, ein Bruder, ein Freund, und noch vieles andere mehr. Ihre Einordnung in die angefeindete Gruppe macht aus einer Eigenschaft unter vielen die zentrale Eigenschaft, die einzige, auf die es ankommt.

In der Regel sind die Aussagen aus dem Bereich der Phobie dann auch pauschale Aussagen, die unabhängig vom Inhalt „den Juden“ oder „den Muslimen“ eine nennenswerte Individualität absprechen.

Kritische Aussagen zu Einzelpersonen oder bestimmten Tatbeständen sind aber nur im Ausnahmefall Ausdruck einer solchen Phobie. Natürlich ist es nicht islamophob, gegen Terroranschläge im Namen des Islams zu sein, und ob eine Stellungnahme zum Beispiel gegen ein allgemeines Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare homophob ist, das kommt auf die Begründung an. Wer jede Kritik an seiner Position als „Phobie“ zurückweist, der ist vielleicht „kritikophob.“

 

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